Indien: 65 Jahre Unabhängigkeit?

Hervorgehoben

Am 15. August feiert Indien die Unabhängigkeit von den einstigen britischen Kolonialherren. Doch das Ende der britischen Herrschaft besiegelte keineswegs die Ausbeutung von Land und Menschen.

Mumbai feiert den 65. Geburtstag von „Mother India“, wie sie hier einige nennen. Wie jedes Jahr strömen die Menschen auch am 15. August 2012 mitten im Monsun auf die Straßen, um das Ende von mehr als 150 Jahren britischer Kolonialherrschaft zu zelebrieren. Der Unabhängigkeitstag ist ein gesetzlicher Feiertag, die Geschäfte sind geschlossen und der Alkoholausschank verboten. Straßenkinder, die wie an jedem anderen Tag auch über die Runden kommen müssen, verkaufen kleine Fähnchen und Anstecker in den Farben der Nationalflagge – Orange, Weiß, Grün.

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Atheisten: “Besser Klappe halten”

Wer an Indien denkt, der hat oft Bilder von vier-armigen Gottheiten mit Elefantenköpfen im Sinn. Doch im 21. Jahrhundert erweist sich diese Vorstellung zunehmend als Stereotyp. Denn in der neuen Mittelklasse melden sich auch jene zu Wort, die nicht glauben. Doch repressive Gesetze aus der Kolonialzeit gängeln noch immer Indiens Atheisten.

Der Shiva Linga Schrein, Elephanta Caves nahe Mumbai: „Der Stein, den die anderen so hingebungsvoll anbeteten, war für mich immer ein Stein geblieben“

Indien ist eine säkulare Demokratie. Religion und Staat sind von einander getrennt, das garantiert die Verfassung. Warum also sollte das Leben eines Atheisten auf dem Subkontinent ein anderes sein als in anderen säkularen Ländern?

Ein Student aus Mumbai, der sich selbst als Non-Believer also Nicht-Gläubigen bezeichnet, findet auf diese Frage eine ganz persönliche Antwort. „Weil mich meine Freundin gerade verlassen hat“, sagt der 23-jährige Kanishka Rustom. Er absolviert am St. Xaviers College einen Masterstudiengang in Sozialwissenschaften. „Wir haben uns geliebt alles war perfekt, sogar ihre Eltern mochten mich.“ Doch die Gunst des Elternhauses hielt nicht lang. Denn in Indien kommt die Frage nach der Religion meist noch vor der Frage nach dem Einkommen. Und die Antwort, dass ahnte Kanishka, würde Schwierigkeiten bereiten. Er sei doch Hindu, wollten des Mädchens Eltern wissen. Der zwei Meter große, sonst so selbstsicher wirkende Mann begann, zu stammeln und zu stottern. Weiterlesen

We are flexible!

Done in Bombay

Indiens Bürokratie ist ätzend. Doch die Mumbaiker nehmens gelassen.

Wer in Indien als Tourist ein Zugticket buchen will, der sollte nicht nur Geld mitbringen sondern auch Zeit. Denn wer mit dem Zug reisen will, dem wird ein Formular gereicht, das einem Einbürgerungsantrag gleicht: Reisepassnummer, Visanummer, Ein- und Ausreisedatum, in welchem Hotel wird man übernachten, Kontaktperson im Land… um nur einige Punkte zu nennen.

Diese Bürokratie haben die Inder ihren britischen Kolonialherren, zu verdanken. Sie lähmt das Land und ist lästig. Woher soll ich als Backpacker wissen in welchem Hotel ich absteigen werde? Kontaktperson? Unbekannt! Doch um so länger die Formulare, desto lockerer nehmen es die Menschen mit den Vorschriften. “Egal, schreib irgendwas hin. Wir sind da flexibel”, sagte die Ticketverkäuferin. Klar wer soll sich auch all die Papierformulare anschauen. So erging es mir auf der letzten Indienreise. Doch auch dieses Mal galt es der Bürokratie ein Schnippchen, zu schlagen. Weiterlesen

Südasiens Rausch: Betel

Überall in der Stadt sieht man sie – rote Flecken die Wände und Boden färben. Sie sehen nicht gerade schön aus, eher wie hingerotzt. Und in der Tat handelt es sich hier um die oralen Ausscheidungen einer in Süd-Asien seit Jahrtausenden weit verbreiteten Droge, dem Betel.

Paanwalas verkaufen auf der Straße frische Betelblätter und abgepackte Gewürz- und Tabakmischungen (rechts im Bild).

„Paan“, so der Pflanzenname auf Hindi, wird auf dem Subkontinent wegen seiner milden stimulierenden Wirkung geschätzt. Straßenhändler, sogenannte paanwala bestreichen die etwa handgroßen Blätter der Liane mit Löschkalk und streuen darauf eine Mischung aus Gewürzen und zerkleinerten Areca Nüssen – die wegen dieser Verbindung oft als Betelnüsse bezeichnet werden. Weiterlesen

Ramzan Nächte, süße Nächte

Indien ist das Land mit der weltweit drittgrößten muslimischen Bevölkerung – sie zählen 135,5 Millionen Gläubige. Und wie alle Muslime gilt auch für die indischen unter ihnen der muslimische Fastenmonat Ramadan als religiöse Pflicht.

Während des Ramzan, wie die Fastenzeit in Mumbai genannt wird, ist es den Muslimen untersagt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu trinken oder zu essen. Nur Kranke, Reisende oder schwangere Frauen sind von diesem Gebot ausgenommen.

In der Schwüle der indischen Monsunzeit klettert das Quecksilber im Thermometer schnell mal auf 30 Grad Celcius empor. Dementsprechend ächzen die Gläubigen unter den oft körperlich schweren Arbeiten des Tages.

Doch wenn sich die Nacht über Mumbai legt und vom Meer ein wenig kühle Luft durch die Straßenzüge und die engen Gassen strömt, erwacht die Stadt zu neuem Leben. Denn jetzt werden die Kalorien eingefahren, die am Tag verschwitzt wurden. Auch im muslimischen Viertel rings um die Jakeria Moschee im Süden Mumbais füllen sich die Straßen mit den Ausgehungerten.

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